Die Kunst und die Schönheit der Erde

kunst1Wir sind hier inmitten einer Bevölkerung, die sich mit einem Handwerk beschäftigt, das das älteste der Welt genannt werden kann; ein Handwerk, für das ich mich wohl zu Recht sehr interessiere, da es, vielleicht mit Ausnahme des ehrwürdigen Handwerks des Häuserbaus, keinem anderen nachsteht. Und inmitten dieser regen Bevölkerung, die mit der Herstellung von so wichtigen Gütern für den Haushalt beschäftigt ist, spreche ich vor einer Kunstschule, vor einer der Einrichtungen, die überall im Land gegründet wurden, als man bemerkte, daß mit den beiden Elementen etwas nicht stimmte, die zusammen das schaffen, was zu Recht als ein Werk der gewerblichen Kunst beschrieben werden kann, nämlich das Element der Nützlichkeit und das künstlerische Element. Ich hoffe, daß nichts von dem, was ich heute abend sagen werde, Sie zu der Ansicht führen wird, daß ich die Bedeutung dieser Bildungseinrichtungen unterschätze; im Gegenteil, ich halte sie für notwendig, falls wir nicht bereit sind, jeden Versuch der Vereinigung jener zwei Elemente der Funktion und der Schönheit aufzugeben.

Obwohl nun niemand mehr als ich von der Bedeutung der Töpferkunst überzeugt sein kann und obwohl ich ihr Studium, wie ich hoffe, weder in künstlerischer noch in kunstgeschichtlicher Hinsicht vernachlässigt habe, so halte ich mich doch nicht für verpflichtet, das Thema Ihrer besonderen Kunst zu behandeln; weniger deshalb, weil ich von ihrer technischen Seite nicht mehr weiß als das, was mir für das Verständnis ihrer kunstgeschichtlichen Aspekte ausreichend erschien, sondern eher, weil ich glaube, daß es, so wie die Dinge heutzutage stehen, fast unmöglich ist, eine der ornamentierenden Künste von den anderen zu trennen. Ich glaube auch, daß es Sie nicht sehr interessieren und noch weniger informieren würde, wenn ich die allgemeinen Regeln wiederholen würde, die ein Designer in den gewerblichen Künsten befolgen sollte; bei der Gründung jener Schulen haben die Ausbilder diese Regeln deutlich und zufriedenstellend formuliert, und ich glaube, daß sie seither allgemein anerkannt sind, zumindest theoretisch. Vielmehr fühle ich mich wirklich verpflichtet, zu Ihnen über gewisse Dinge zu sprechen, die meine Gedanken ständig bewegen, über gewisse Überlegungen hinsichtlich des Zustandes und der Aussichten der Künste im allgemeinen, deren Vernachlässigung uns mit der Zeit tatsächlich in eine merkwürdige Situation bringen würde; das wäre eine Situation, in der ein Töpfer seiner Ware keinerlei Dekoration geben würde und in der er, falls er ein ganz logisch denkender Mensch wäre, überhaupt nicht wüßte, welche Form ein Gefäß haben sollte, wenn ihn nicht die beabsichtigte tatsächliche Verwendung des Gefäßes in die eine oder andere Richtung führen würde. Was ich über diese Dinge zu sagen habe, wird Ihnen wohl nicht sehr neu sein, und vielleicht wird es Sie mehr oder weniger verärgern; aber ich möchte Sie bitten, mir zu glauben, daß ich mir der Ehre bewußt bin, die Sie mir entgegenbringen, indem Sie mich auffordern, zu Ihnen zu sprechen. Ich kann nicht bezweifeln, daß Sie dies getan haben, damit Sie meine Ansichten über die Künste hören, und es scheint mir daher so zu sein, daß ich dieser Ehre kaum gerecht werden würde und Sie mißachtete, wenn ich mich hier hinstellte und ausgiebig über das spräche, was ich nicht denke. So möchte ich also um Ihre Erlaubnis bitten, offen zu sprechen, wie ich versichere, daß ich nicht leichtfertig sprechen werde.
Dennoch möchte ich nicht, daß Sie annehmen, ich würde die Schwierigkeit jener Kunst der offenen Aussprache unterschätzen, einer Kunst, die vielleicht ebenso schwierig ist wie die Töpferei und nicht annähernd so häufig in der Welt ausgeübt wird; daher will ich Sie bitten, mir zu verzeihen, wenn ich Ihre Gefühle in irgendeiner Art verletzen sollte, denn das geschähe nicht absichtlich oder aufgrund eines übermütigen und vorschnellen Denkens, sondern vielmehr aufgrund meiner unbeholfenen Art, es auszudrücken. In Wahrheit erwarte ich, daß Sie mir verzeihen, denn ich bin fest davon überzeugt, daß das Aussprechen eines offenen Worts, das gesagt werden muß, niemanden auf Dauer verletzen kann, wenn es frei von Bosheit oder Selbstsucht war; wo hören dagegen Irrtum und Schaden auf, die aus halbherziger Rede, aus vagen, heuchlerischen und ängstlichen Worten folgen?
Sie, die in dieser Gegend so widerstandsfähige, gleichmäßige, gut zusammengefügte und dauerhafte Töpferwaren herstellen, wissen sehr genau, daß Sie ihnen noch andere Qualitäten geben müssen außer jenen, die sie für den gewöhnlichen Gebrauch tauglich machen.
Sie müssen darauf bestehen, sie sowohl schön als auch nützlich zu machen, denn andernfalls würden Sie sicher Ihren Markt verlieren. Diese Ansicht hat die Welt von Ihrer Kunst und von allen gewerblichen Künsten seit Beginn der Geschichte, und sie gilt, wie ich sagte, noch heute, sei es wegen der Macht der Gewohnheit oder wegen etwas anderem.
Trotzdem ist der Stellenwert, den die Kunst in unserem täglichen Leben einnimmt, so verschieden von dem der Vergangenheit, daß es mir so scheint (und damit bin ich nicht allein), als ob die Welt bei der Frage zögere, ob sie die Kunst annehmen oder verwerfen solle.
Ich denke, daß ich diese sehr verblüffend erscheinende und dabei sicherlich sehr schwerwiegende Behauptung erklären muß. Ich werde das in so wenig Worten wie möglich tun. Mir ist nicht bekannt, ob die meisten oder viele von Ihnen den großen Wandel bemerkt haben, von dem die Künste in der modernen Zeit ergriffen wurden, einen Wandel, dessen Höhepunkt noch nicht lange zurückliegt und den die meisten von Ihnen daher miterlebt haben müßten. Es mag Ihnen so scheinen, als ob es keinen Bruch in der Abfolge der Kunst gegeben habe, zumindest seit sie anfing, sich aus dem Durcheinander und aus der Rohheit des frühen Mittelalters herauszukämpfen; Sie denken vielleicht, daß sie einen graduellen Wandel, Wachstum und eine Vervollkommnung (die vielleicht nicht immer sofort erkannt wurde) durchgemacht hat, daß dies alles aber ohne Gewalt und Zusammenbruch geschah und daß Wachstum und Vervollkommnung immer noch anhalten.
Dies scheint auch eine sehr vernünftige Ansicht zu sein, indem sie die Entwicklung der Kunst als analog zu dem betrachtet, was sich ohne Zweifel auf anderen Gebieten des menschlichen Fortschritts zugetragen hat; darauf beruht sogar Ihre Freude an der Kunst und Ihre Hoffnung für ihre Zukunft. Diese Grundlage der Hoffnung ist einigen von uns abhanden gekommen; worin unsere Hoffnungen heute gründen, werde ich Ihnen vielleicht heute abend teilweise erklären können, aber ich will Ihnen zunächst einen Eindruck von dem Abgrund geben, in den unsere frühere Hoffnung gestürzt ist.

Die Kunst : Monatsheft fŸr freie und angewandte KunstLassen Sie uns ein wenig auf das frühe Mittelalter blicken, auf die Zeit der Barbarei und des Chaos. Wenn Sie die Seiten des scharfsinnigen, besonnenen Gibbon durchlesen, dann werden Sie wahrscheinlich denken, daß das Talent des großen Historikers auf belanglose Zänkereien, auf das Laster der Selbstsucht, auf unwürdigen Aberglauben und den Pomp und die Grausamkeit der Könige und Schurken verschwendet wurde, die die Hauptfiguren der Geschichte sind; aber wenn Sie darüber nachdenken, dann werden Sie bemerken, daß nicht die ganze Geschichte erzählt wurde, daß sie sogar fast gar nicht erzählt wurde, sondern daß nur hier und dort ein zufälliger Wink gegeben wird. Der Palast und das Feldlager waren sicher nur ein kleiner Teil dieser Welt. Sie können sicher sein, daß daneben Zuverlässigkeit, Aufopferung und Liebe am Werk waren, denn was für eine Schöpfung hätte diese Zeit sonst hervorbringen können? Die sichtbaren Zeichen dieser Schöpfung müssen Sie in der Kunst suchen, die inmitten jener Rohheit und jenes Durcheinanders aufwuchs und erblühte, und Sie wissen, wer sie herstellte. Die Tyrannen, Pedanten und Wichtigtuer jener Zeit zahlten Hungerlöhne für die Kunst und bestachen ihre Götter mit ihr, aber sie waren zu beschäftigt mit anderen Dingen, um sie zu machen; das namenlose Volk schuf sie; denn keine Namen ihrer Hersteller sind uns überliefert, kein einziger. Allein ihr Werk ist erhalten und all das, was daraus entstand und noch entstehen wird. Was zuerst daraus entstand, war die vollkommene Freiheit der Kunst inmitten einer Gesellschaft, die gerade angefangen hatte, sich von den religiösen und politischen Fesseln zu befreien. Die Kunst blieb jetzt nicht mehr, wie noch im alten Ägypten, starr innerhalb bestimmter vorgeschriebener Grenzen, damit keine Phantasie mit ihr spielte, keine Einbildungskraft sie überträfe, um nicht die Größe der schönen Symbole zu verdunkeln und die Erinnerung an jene ehrfurchtsvollen Mysterien, die sie symbolisieren, in den Herzen der Menschen schwächer werden zu lassen. Es war auch nicht länger so wie im Griechenland des Perikles, als kein Gedanke ausgedrückt werden sollte, der nicht in einer vollkommenen Form ausgedrückt werden konnte. Die Kunst war frei. Alles, was sich ein Mensch ausdachte, konnte er durch die Arbeit seiner Hände hervorbringen und es dem Lob und dem Staunen seiner Gefährten aussetzen. Jeder Mensch, der irgendeinen Gedanken hatte und irgendeine Fähigkeit, ihn auszudrücken, wurde für gut genug gehalten, um damit sich und seine Nachbarn zu erfreuen; in dieser Kunst wurde nichts verschwendet und niemand übergangen; alle Völker östlich des Atlantiks fühlten diese Kunst; von Buchara bis Galway, von Island bis Madras war die ganze Welt von ihrem Glanz erleuchtet und von ihrer Kraft in Schwingung versetzt. Sie zerstörte auch die nationalen und religiösen Barrieren. Christen und Mohammedaner wurden durch sie erfreut; Kelten, Germanen und Romanen förderten sie gemeinschaftlich; Perser, Tataren und Araber gaben und nahmen gegenseitig ihre jeweiligen Begabungen. Wenn man bedenkt, wie alt die Welt ist, dann stand diese Kunst nicht sehr lange in Blüte. In jenen Tagen, als Norweger, Dänen und Isländer durch die Straßen von Micklegarth stolzierten und den Thron des griechischen Königs Kirialax mit ihren Äxten schützten, war sie lebendig und voller Kraft. Als der blinde Dandolo von der venezianischen Galeere hinab und auf die eroberten Mauern Konstantinopels geführt wurde, war sie ihren besten und reinsten Tagen nahe. Als Konstantin Palaiologos als alter und erschöpfter Mann von einem friedlicheren Heim auf Morea zu seinem Verderben in die große Stadt zurückkam und dem wirren Leben des letzten Kaisers nicht ohne Ruhm von türkischen Schwertern auf den durchbrochenen und zerschossenen Mauern jenes selben Konstantinopel ein Ende bereitet wurde, da zeigten sich in der Kunst, die dort entsprang, um ihren Ruhm gleichermaßen über den Osten wie den Westen zu verbreiten, schon erste Anzeichen von Krankheit.
Diese ganze Zeit lang war sie die Kunst freier Menschen. Welche Sklaverei es auch noch in der Welt gegeben haben mag (mehr als genug, wie immer), so hatte doch diese Kunst keinen Anteil daran; und immer noch geschah es nur hier und da, daß sich einige große Namen über die Menge jener erhoben, die diese Kunst herstellten. Diese Namen erschienen (und das geschah hauptsächlich allein in Italien) zu der Zeit, als jene Zweige der Kunst, die eher das Werk einer kollektiven als einer individuellen Begabung waren, die Architektur im besonderen, ihre höchste Perfektion fast erreicht hatten. Die Menschen fingen an, sich nach etwas Verblüffenderem und Neuerem umzusehen, als es ihnen der langsame, allmähliche Wandel in der Architektur und der zu ihr gehörenden geringeren Künste bieten konnte. Diese Abwechslung fanden sie in den großartigen Werken der Maler, und sie empfingen sie mit einer offenbaren Erregung und Freude, die uns heutzutage, wo die Kunst so gering geschätzt wird, wirklich erstaunlich vorkommt.
Für eine Weile ging alles besser, als man wünschen konnte; obwohl die italienische Architektur allmählich etwas an Vollkommenheit verlor, so konnte das doch kaum bemerkt werden angesichts jenes großartigen Glanzes, der sich über die Malerei und Bildhauerei ausbreitete. Unterdessen hatte der Wandel in Frankreich und England, obwohl er sich langsamer vollzog, früher eingesetzt, wie die Skulptur der großen französischen Kirchen und die ausgezeichnete Illuminationsmalerei englischer Bücher bezeugen, während die Flamen, die nie sehr in der Baukunst hervorragten, zu Ende jener Periode ihre wahre Berufung als Maler im Stil eines angenehmen und ernsten, ausdrucksstarken Naturalismus gefunden hatten, der mit einer unübertroffenen Reinheit und Lebhaftigkeit der Farbe ausgeführt wurde.
So hatte die Kunst des Mittelalters allmählich ihren Gipfel erreicht, zweifellos nicht ohne die Anlage zum Verfall mit sich zu führen, die ihr ein Ende setzen sollte, und die Drohung eines großen Wandels, der damals sicher noch niemand Beachtung schenkte. Über ihre Blindheit braucht man sich auch nicht sehr zu wundern, denn ihre Kunst sollte noch mehrere Jahrhunderte lang voller Leben und Glanz sein, und als dann schließlich ihr Ende nahe war, sahen die Menschen darin nur die Hoffnung auf ein neues Leben. Viele Jahre, ein Jahrhundert mindestens, bevor der Wandel wirklich eintrat, wurde der Ausdruck der größeren Gedanken, mit denen die Kunst umgehen kann, für jene Menschen schwieriger, die nicht besonders ausgebildet waren. Ohne die absolute Perfektion zu verlangen, die die Regel im alten Griechenland war, erwarteten die Menschen doch eine komplizierte Ausführung, die sich die Griechen nie erträumt hatten; den Menschen erschien die Aussicht, Szenen der Geschichte und Poesie in einer weit vollständigeren Art zu verwirklichen, als es die besten ihrer Vorgänger versucht hatten. Doch die Trennung zwischen Künstler und Kunsthandwerker (wie unser Spitzname lautet) war lange Zeit nicht offensichtlich, obwohl die Dinge zweifellos darauf hinaus liefen; sie ist vielleicht hauptsächlich bemerkbar an dem Unterschied zwischen dem Werk einer Nation und dem einer anderen, eher als an den Handwerkern selbst. Ich meine damit zum Beispiel, daß England im dreizehnten Jahrhundert Seite an Seite mit Italien ging, was die reine Qualität anlangt, während England zur Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts roh war, Italien dagegen kultiviert; und gerade als sich der Wandel vorbereitete, kam es durch den einen oder anderen Zufall zu einer großen Zunahme an Entdeckungen der antiken Kunst und Literatur, und so geschah es, daß das Schicksal der halb ausgesprochenen Sehnsucht der Menschen entgegenkam.
Dann war tatsächlich alles Zögern vorbei, und plötzlich, wie es uns heute vorkommt, fand inmitten eines Aufflammens von Glanz die ersehnte Wiedergeburt statt. Früher blieben, wie ich sagte, die Hersteller schöner Dinge namenlos; aber aus der Zeit der Renaissance sind uns mehr Namen hervorragender Handwerker überliefert, als sich ein gutes Gedächtnis merken kann, und unter diesen Namen befinden sich die größten, die die Welt je gesehen hat oder vielleicht je sehen wird. Kein Wunder, daß die Menschen laut jubelten; kein Wunder, daß ihr Stolz sie verblendete und sie nicht mehr sahen, wo sie standen; doch die Geschichte ist äußerst bedauernswert und traurig. Sie war eine jener merkwürdigen Zeiten, in denen es den Menschen so vorkam, als ob sie all die Distanz zwischen Traum und Wirklichkeit überbrückt hätten. Sie und niemand sonst, so scheint es, haben schließlich den Ort erreicht, an dem all die früher vergeblich gesuchten Schätze der Welt aufgetürmt liegen. Sie, so scheint es, haben alles, und niemand vor ihnen hatte irgendetwas, nicht einmal ihre Väter, die gerade erst zu Grabe getragen worden sind.
Die Menschen der Renaissance betrachteten das Jahrtausend, das hinter ihnen lag, als eine tatenlose Leere und alles vor sich als einen endlosen Triumpfzug. Wir, die so viel durch die Fehlschläge anderer Leute lernen konnten, können ihre Stellung anders als sie selbst beurteilen. Wir können erkennen, daß die Kunst, während sie vorher seit ihrem Beginn immer nach vorn gesehen hatte, nun zurückblickte; daß die Menschen, während sie früher gelehrt wurden, durch die Kunst auf das zu blicken, was die Kunst wiedergab, nun gelehrt wurden, die Kunst selbst für das Ziel zu halten, und daß es nicht darauf ankäme, ob die erzählte Geschichte geglaubt werde oder nicht. Früher war ihr Ziel zu sehen, jetzt war es nur ihr Ziel, gesehen zu werden. Früher wurde sie ausgeübt, um verstanden zu werden und um allen Menschen zu helfen. Jetzt stand das gemeine Volk jenseits der Grenze und die Beleidigungen, mit denen die griechischen Sklavenhalter und römischen Steuereintreiber der Antike das Volk, alle Menschen bis auf einige Auserwählte, überschüttet hatten, kamen wieder zum Vorschein, ausstaffiert mit einer bizarren Verkleidung, um jene Tage grenzenloser Zuversicht zu schmücken.
All dies kam in Wirklichkeit nicht über Nacht, aber es kam, und nicht einmal sehr langsam, nachdem die Menschen begonnen hatten zurückzublicken. Zu Beginn des sechzehnten Jahrhunderts war die Renaissance auf ihrem Höhepunkt. Das siebzehnte Jahrhundert hatte noch kaum begonnen, was war da aus ihren übermütigen Hoffnungen geworden? Wenn man ganz Italien betrachtet, so wurde allein in Venedig noch Kunst hergestellt, die etwas wert war. Der eroberte Norden hatte nichts von Italien gewonnen außer der Nachahmung seiner schlimmsten Extravaganz, und was die englische Kunst vor der Bedeutungslosigkeit bewahrte, war nur die Tradition jener früheren Zeit, die noch in einem Volk nachklang, das wirklich bäuerlich und engstirnig, aber auch ernsthaft und wahrheitsliebend war und ein einfaches Leben führte.

Ich habe gerade darüber gesprochen, wie dies entstanden ist. Aber was dem zugrunde lag und was ich Ihnen hauptsächlich zur Beachtung und Erinnerung ans Herz legen möchte, ist dies, daß die Menschen der Renaissance bewußt oder unbewußt ihre ganze Energie der Trennung der Kunst vom alltäglichen Leben der Menschen widmeten, und daß sie das zustande brachten, wenn nicht ganz und gar zu ihrer Zeit, so doch mit Sicherheit und in der nahen Zukunft. Ich muß Sie daran erinnern, obwohl ich und auch klügere Menschen es immer wieder gesagt haben, daß früher jeder Mensch, der irgend etwas schuf, nicht nur einen nützlichen Gegenstand herstellte, sondern auch ein Kunstwerk daraus machte, während heute nur sehr wenige Dinge selbst den entferntesten Anspruch erheben können, Kunstwerke zu sein. Ich bitte Sie, dies äußerst sorgfältig und ernsthaft zu bedenken und zu versuchen, die Bedeutung dessen zu verstehen.
Aber da jemand unter Ihnen dies bezweifeln könnte, so lassen Sie mich zuerst fragen, woraus die große Masse der Gegenstände besteht, die unsere Museen füllen, wenn man die reinen Bilder und Skulpturen einmal beiseite lässt? Sind sie nicht einfach die gewöhnlichen Haushaltsgeräte vergangener Zeiten? Es ist wahr, daß manche Leute sie nur einfach als Kuriositäten betrachten, aber Ihnen und mir wurde gesagt, daß wir sie äußerst ehrfurchtsvoll als unschätzbare Kostbarkeiten betrachten sollten, die uns alles mögliche lehren können, und doch, ich wiederhole, sind sie in ihrer Mehrzahl gewöhnliche Haushaltsgegenstände, hergestellt von »kleinen Leuten«, wie man heute sagt, ohne jede Bildung, von Menschen, die annahmen, daß die Sonne um die Erde liefe und daß Jerusalem genau im Mittelpunkt der Welt läge.
Oder nehmen Sie ein anderes Museum, das uns noch geblieben ist, nämlich unsere ländlichen Kirchen. Betrachten Sie sie genau, damit Sie sehen, wie die Kunst jedes Detail durchdrang; denn das Wort »Kirche« sollte Sie nicht in die Irre führen: In Zeiten wirklicher Kunst baute das Volk seine Kirchen in genau demselben Stil wie seine Häuser; »Kirchenkunst« ist eine Erfindung der letzten dreißig Jahre. Ich komme gerade aus einer abseits gelegenen Gegend nahe dem Ende der schiffbaren Themse, wo es in einem Umkreis von fünf Meilen etwa ein halbes Dutzend kleiner Dorfkirchen gibt, von denen jede ein wunderschönes Kunstwerk mit eigenem Charakter ist. Dies sind die Werke der Dorftölpel vom Themseufer, wie Sie uns heute nennen würden, nichts mehr als das. Wenn die gleichen Leute sie heute entwerfen und bauen würden, dann könnten sie – denn sie haben in den letzten fünfzig Jahren ungefähr alle alten Bautraditionen verlernt, obgleich sie länger an ihnen festgehalten haben als die meisten Leute – nichts Besseres bauen als die gewöhnlichen kleinen, schlichten non-konformistischen Kapellen, die man über die neuen Wohngebiete verstreut sieht. Das ist es, was zu vergleichen ist, nicht eine vom Architekten entworfene neugotische Kirche. Je mehr Sie die Archäologie studieren, desto besser werden Sie wissen, daß ich damit recht habe, und daß das, was uns von früherer Kunst geblieben ist, allein vom Volk, ohne fremde Hilfe, gemacht worden ist. Und Sie werden auch nicht übersehen, daß es klug gemacht wurde und mit Freude.

Dieses letzte Wort führt mich zu einer so wichtigen Frage, daß ich es selbst auf die Gefahr hin, Sie zu ermüden, meinen alten Satz anfügen und das Ganze wiederholen muß. Es gab eine Zeit, als alle, die irgend etwas herstellten, nicht nur einen nützlichen Gegenstand, sondern daneben auch ein Kunstwerk daraus machten, und es machte ihnen Freude, das zu tun. Dies ist eine Behauptung, von der mich nichts abbringen kann; was ich auch immer bezweifeln mag, darüber habe ich keinen Zweifel. Und wenn es irgend etwas in meinem Lebenswerk gibt, was sich zu tun lohnt, wenn ich irgendein wertvolles Anliegen habe, dann ist es die Hoffnung, mitzuhelfen, daß der Tag kommt, an dem wir werden sagen können: Wie es einmal war, so ist es heute wieder.
Verstehen Sie mich nicht falsch; ich bin nicht einfach ein Lobredner vergangener Zeiten. Ich weiß, daß in jenen Tagen, von denen ich spreche, das Leben oft hart und schlimm genug war, voll von Gewalt, Aberglauben, Dummheit und Sklaverei; doch kann ich nicht umhin zu denken, daß, wie sehr die armen Leute auch einen Trost brauchten, sie doch nicht völlig ohne ihn auskommen mußten, und daß dieser eine Trost die Freude an ihrer Arbeit war. Wie viel die Welt auch seither gewonnen hat, so glaube ich nicht, daß sie für alle Menschen ein so vollkommenes Glück ist, daß wir es uns erlauben können, irgendeinen Trost abzulehnen, den die Natur uns anbietet. Oder müssen wir bis in alle Ewigkeit den Teufel mit dem Beelzebub austreiben? Sollten wir es nie schaffen, dieses ganze Pack auf einmal loszuwerden?
Ich will damit nicht sagen, daß die ganze Arbeit, die wir heute tun, ohne jede Freude getan wird, aber ich will sagen, daß die Freude eher darin besteht, daß man ein gutes Gefühl bei der Arbeit erreicht – sicherlich eine tapfere und richtige Einstellung – oder daß man die Last einigermaßen erträgt, daß sie aber nur selten, sehr selten die Stufe erreicht, auf der sie den Handwerker dazu zwingt, aus vollem Herzen dem Werk selbst die Zeichen seiner zuversichtlichen Freude einzuprägen.
Unser System der Arbeitsorganisation wird das auch nicht zulassen. In fast allen Fällen gibt es keine Sympathie zwischen dem Entwerfer und dem Menschen, der den Entwurf ausführt; nicht selten wird auch der Designer dazu gezwungen, mechanisch zu arbeiten, so daß er niedergeschlagen ist, und darüber wundere ich mich nicht. Ich weiß aus Erfahrung, daß das Anfertigen eines Entwurfs nach dem andern – bloße Diagramme, wohlgemerkt – , ohne daß man sie selbst ausführt, den Geist sehr stark anspannt. Wenn nicht sämtliche Arbeiter aller Stufen auf Dauer zu Maschinen herabsinken sollen, dann ist es notwendig, daß die Hand den Geist ausruhen läßt, und umgekehrt. Und ich sage, daß es diese Art von Arbeit ist, die die Welt verloren hat, und daß ihr Platz von jener Arbeit eingenommen wurde, die das Ergebnis der Arbeitsteilung ist.
Solche Arbeit, wozu immer sie auch sonst fähig ist, kann keine Kunst hervorbringen; die Kunst muß, solange das gegenwärtige System andauert, ausschließlich auf solche Werke beschränkt bleiben, die von Anfang bis Ende von einem Menschen hergestellt sind: Bilder, einzelne Skulpturen und ähnliches. Diese Werke können weder die Lücke füllen, die der Verlust der Volkskunst hinterlassen hat, noch können sie, besonders die phantasievolleren unter ihnen, die Anteilnahme erhalten, die ihnen zukommen sollte. Ich muß es offen aussprechen, daß es, so wie die Dinge liegen, für jemand, der nicht viel Bildung genossen hat, unmöglich ist, die bedeutendere Art von Bildern zu verstehen. Ich glaube sogar, daß die meisten Leute nur von den Bildern wirklich beeindruckt sind, die jene Szenen wiedergeben, mit denen sie gründlich vertraut sind. Dieser Aspekt, der die Leute im allgemeinen betrifft, scheint mir erheblich wichtiger als der, der mit dem unglücklichen Künstler zu tun hat; aber auch er hat Anspruch auf unsere Rücksichtnahme; und ich bin sicher, daß dieses Fehlen des allgemeinen Interesses der einfachen Leute ihn sehr bedrückt und sein Werk fieberhaft und verträumt oder kompliziert und verschroben werden läßt.
Seien Sie sicher, daß, wenn das Volk krank ist, auch seine Führer Heilung nötig haben. Die Kunst wird nicht wachsen und gedeihen, sie wird sogar nicht lang am Leben bleiben, wenn nicht alle Leute an ihr teilhaben; und was mich betrifft, so sollte sie in diesem Fall auch nicht existieren.
Daher stehe ich vor Ihnen und sage, daß heutzutage die Welt vor der Wahl steht, ob sie die Kunst haben oder ob sie sie hinter sich lassen will, und daß auch wir alle uns entscheiden müssen, welchem Lager wir beitreten wollen oder können, dem Lager derjenigen, die der Kunst aufrichtig zustimmen, oder dem derjenigen, die sie aufrichtig ablehnen.

Lassen Sie mich noch einmal versuchen zu erklären, was diese beiden Alternativen bedeuten. Wenn Sie sich zur Kunst bekennen, dann muß sie Teil Ihres täglichen Lebens sein, und des täglichen Lebens jedes Menschen. Sie wird uns begleiten, wohin wir auch gehen, in der alten Stadt, die voller Überlieferungen aus vergangenen Zeiten ist, auf der frisch gerodeten Farm in Amerika oder in den Kolonien, wo niemand gewohnt hat, um Traditionen anzusammeln; auf dem ruhigen Land wie in der geschäftigen Stadt wird kein Platz ohne sie sein. Sie wird Sie bei Kummer und Freude begleiten, in Ihren Arbeitsstunden und in Ihrer Freizeit. Sie wird ohne Ansehen der Person von dem Vornehmen und dem Einfachen geliebt werden, von dem Gebildeten und dem Ungebildeten, wie eine Sprache, die alle verstehen können. Sie wird keine Arbeit behindern, die für ein sehr gutes Leben der Menschen nötig ist, aber sie wird jeder minderwertigen Schinderei, jeder ermüdenden Verschwendungssucht und jeder eitlen Oberflächlichkeit ein Ende bereiten. Sie wird der Todfeind der Ignoranz, der Unaufrichtigkeit und Tyrannei sein, und sie wird Freundlichkeit, gerechtes Verhalten und Vertrauen unter den Menschen ermutigen. Sie wird Sie lehren, den größten Verstand aufrichtig zu achten, aber nicht irgendjemand zu verachten, der nicht vorgibt, etwas zu sein, was er nicht ist; und das Instrument, mit dem sie arbeiten wird, und die Nahrung, die sie am Leben erhält, wird die Freude des Menschen an seiner täglichen Arbeit sein, das freundlichste und beste Geschenk, das die Welt je hatte.
Ich sage nochmals, daß ich sicher bin, dass das Kunst bedeutet, nichts weniger, und daß wir nur eine Attrappe bekämen, wenn wir versuchten, die Kunst auf andere Art am Leben zu erhalten; dann wäre es für uns viel besser, die andere Alternative, die offene Ablehnung der Kunst, anzunehmen, wie das viele Leute, und nicht die schlechtesten, bereits getan haben. An sie und nicht an mich müssen Sie sich wenden, wenn Sie genau wissen wollen, was für die Zukunft einer Welt zu hoffen ist, in der man die Kunst begraben hat. Doch denke ich, daß ich aus der gegenwärtigen Tendenz der Dinge in etwa beurteilen kann, was aus diesen Angelegenheiten, mit denen wir Handwerker zu tun haben, wahrscheinlich werden wird.
Wenn Menschen die Vorstellung aufgegeben haben, daß das Werk ihrer Hände jemals angenehm für sie sein kann, dann müssen sie als aufrichtige Menschen ihr Äußerstes tun, um die Arbeit der Welt auf ein Minimum zu beschränken; wie wir Künstler müssen sie alles tun, um das Leben des Menschen zu vereinfachen und seine Wünsche so weit wie möglich zu verringern; und zweifellos werden sie theoretisch in der Lage sein, sie weiter zu verringern, als wir es könnten, denn es ist klar, daß aller Verbrauch von Energie, der bei der Suche nach Schönheit entsteht, verboten sein wird. Jeder Schmuck wird aus dem Werk der menschlichen Hände verschwinden, obwohl noch immer dort Schönheit sein wird, wo die Natur wirkt. Die Kleidung wird nicht verziert sein, obwohl die Motte, die sie zerfrißt, in Silber und Perlmutt glänzt. London wird die abscheulichste Einöde sein, obwohl die Blüte der »London Pride« zarter gesprenkelt sein wird als das feinste Missale, das je ein Mönch ausgemalt hat. Und wenn alles getan ist, dann wird immer noch zu viel Arbeit, daß heißt zu viel Schmerz in der Welt sein.
Was dann? Also Maschinen. Es scheint, daß wir zu Beginn einen ziemlichen Haufen davon haben werden, aber das wird lange nicht ausreichen. Einige Menschen müssen sich aufopfern und abschinden, um neue zu erfinden, bis schließlich so ziemlich alles, was die Menschen brauchen, von Maschinen hergestellt werden wird. Ich wüßte nicht, warum man das nicht schaffen sollte. Ich selbst habe einen grenzenlosen Glauben an ihre Leistungsfähigkeit. Ich glaube, Maschinen können alles machen – nur keine Kunstwerke hervorbringen.
Und was dann? Angenommen, es werden sich genug Märtyrer (oder besser Sklaven) finden lassen, um all die Maschinen herzustellen, die noch benötigt werden, und um sie zu bedienen; doch werden wir dann alle Arbeit, all das los sein, von dem wir herausgefunden haben, daß es ein reiner Fluch ist? Und wie wird es um unser Gewissen stehen (denn ich ging von der Annahme aus, daß wir alle gewissenhafte Leute sind), wenn wir glauben, alles uns mögliche getan zu haben, und dennoch von mürrischen, unzufriedenen Elendsgestalten versorgt werden müssen? Was sollen wir tun, frage ich?
Also, ich muß sagen, daß meine Phantasie nicht weiter reicht, als eine allgemeine Rebellion als Heilmittel vorzuschlagen, deren Ziel es, falls sie Erfolg hat, sein müßte, wieder eine Form von Kunst einzuführen, und zwar als einen notwendigen Trost der Menschheit.
Aber um die Wahrheit zu sagen, bringt mich dies zu einem anderen Vorschlag, der mir praktikabel erscheint. Angenommen, wir fangen sofort an zu rebellieren; denn als ich davon sprach, daß die Welt sich zwischen Annahme oder Ablehnung der Kunst entscheiden müsse, nahm ich nicht an, daß ihre Wahl endgültig sein würde, falls sie sich für die Ablehnung entschiede. Die Rebellion wird kommen müssen, und sie wird zum Sieg führen, zweifeln Sie daran nicht; nur wenn wir so lange warten, bis die Tyrannei sich fest eingerichtet hat, wird unser Aufstand ein nihilistischer sein müssen; jede Abhilfe wäre dahin mit Ausnahme blinder Wut und der  Hoffnung, die der Verzweiflung entspringt; wenn wir dagegen jetzt beginnen, dann werden der Wandel und seine Rückwirkung zusammenwirken, die neue Kunst wird uns allmählich erreichen, und eines Tages werden wir sie gesichert und siegreich erleben, obwohl der Kampf kein Geräusch verursacht hat – wir, unsere Söhne oder unsere Enkel.

Wie also sollte unsere Rebellion beginnen? Was ist das Heilmittel für den Mangel an Arbeitsfreude, unter dem alle Handwerker leiden, und für die daraus folgende Krankheit der Kunst und das Absinken der Zivilisation?
Ich fürchte, daß jede Antwort, die ich auf diese Frage geben könnte, Sie enttäuschen wird. Ich selbst leide so stark an dem Fehlen dieser Freude, daß ich selbst wenig Arznei besitze außer der, die Unzufriedenheit zu ermutigen. Ich habe kein unfehlbares Wundermittel, um ein Übel zu kurieren, das schon jahrhundertealt ist. Alle Heilmittel, die mir in den Sinn kommen, sind ziemlich banal. In jenen frühen Tagen der Volkskunst kämpfte die Welt allen Übeln, die das Leben bedrängten, zum Trotz für die Zivilisation und die Freiheit, und dafür müssen auch wir kämpfen, falls wir nicht denken, daß wir schon zivilisiert genug wären, was ich ehrlich gesagt nicht tue. Wir müssen uns um Bildung auf allen Gebieten kümmern. Wenn wir dabei nicht viel lernen, so werden wir doch mindestens das eine begreifen, daß wir nur wenig wissen, und dieses Wissen bedeutet Streben oder Unzufriedenheit, nennen Sie es, wie Sie wollen.
Ich bezweifle nicht, daß, soweit es unsere Kunstschulen betrifft, die Bildung uns zu diesem Punkt führen wird. Ich denke nicht, daß irgendein vernünftiger Mensch sie als einen Mißerfolg betrachten könnte, wenn man den Zustand der ornamentierenden Seite der einzelnen Künste zu der Zeit berücksichtigt, als sie gegründet wurden. Es ist wahr, daß ihre Gründer teilweise die trügerische Erwartung hatten, daß sie sofort in der Lage sein würden, der direkten und spürbaren Nachfrage nach ausgebildeten und fähigen Designern von Waren zu entsprechen; aber obwohl diese Hoffnung sie betrogen hat, haben sie zweifellos sowohl dieses Gebiet der Kunst wie auch andere beeinflußt; von all dem, was sie getan haben, ist jene öffentliche Anerkennung des Werts der Kunst im allgemeinen, die sich schon in der bloßen Existenz der Schulen zeigt, nicht die geringste Errungenschaft; oder, um es korrekter auszudrücken, ihre Existenz und das Interesse, das man an ihnen nimmt, sind Zeichen des Unbehagens der Menschen an dem gegenwärtigen zerrütteten Zustand der Künste.
Vielleicht werden Sie, die hier studieren und eine so große Gruppe von Menschen bilden, die ein Verlangen nach dem Fortschritt der Künste haben müssen, es entschuldigen, wenn ich ein paar Worte sage, die etwas weniger allgemein sind als der Rest meiner Rede. Ich glaube, daß ich Sie als eingeschriebene Kämpfer jener Rebellion gegen die vollständige Häßlichkeit betrachten darf, die ich heute abend gepredigt habe. Sie sind daher vor allen anderen dazu verpflichtet aufzupassen, daß Sie dem Feind keine Gelegenheit zur Schadenfreude geben. Sie sind verpflichtet, besonders darauf zu achten, solide und echte Arbeit zu machen und jede Heuchelei und Geschmacklosigkeit zu vermeiden.
Achten Sie darauf, jede Vagheit zu vermeiden. Es ist besser, auf dem falschen Weg erwischt zu werden, wenn Sie eine bestimmte Absicht verfolgt haben, als hin und her zu gehen und rumzunuscheln, damit die Leute Ihnen nichts vorwerfen können, weil sie nicht wissen, worauf Sie hinauswollen. Halten Sie in der Kunst an klaren Formen fest. Denken Sie nicht zuviel über Stilfragen nach, sondern bemühen Sie sich darum, das herauszubekommen, was Sie für schön halten, und drücken Sie es aus, so vorsichtig wie Sie möchten, aber, ich wiederhole, ganz klar und ohne Verschwommenheit. Machen Sie Ihren Entwurf immer zuerst im Kopf, bevor Sie anfangen, ihn aufs Papier zu bringen. Fangen Sie nicht damit an herumzupinseln in der Hoffnung, daß schon etwas dabei herauskommen werde. Sie müssen es sehen, bevor Sie es zeichnen, egal ob der Entwurf Ihre eigene Erfindung oder die der Natur ist. Denken Sie immer daran: Form vor Farbe, und Umriss, Silhouette vor dem Modellieren; nicht deswegen, weil das Letztere weniger wichtig wäre, sondern weil es falsch werden muß, wenn das Erstere nicht stimmt.
In allen diesen Punkten können Sie so streng gegen sich sein wie Sie wollen, und Sie werden doch kaum zu streng sein.

Darüber hinaus besonders zu denen von Ihnen, die Entwürfe von Waren machen: Versuchen Sie, das meiste aus Ihrem Material zu machen, aber immer so, wie es ihm am angemessensten ist. Es sollte nicht nur offensichtlich bleiben, was Ihr Material ist, sondern es sollte etwas damit gemacht werden, das besonders zu ihm paßt, etwas, das aus keinem anderen Material hergestellt werden könnte. Das ist genau die raison d’etre der dekorativen Kunst. Sich zu bemühen, daß Stein wie Schmiedekunst aussieht, oder Holz wie Seide, oder Töpferwaren wie Stein, ist die letzte Zuflucht einer heruntergekommenen Kunst. Wehren Sie sich so energisch wie möglich gegen jede Maschinenarbeit (das ist an alle Menschen gerichtet). Aber wenn Sie für eine Maschinenarbeit einen Entwurf machen müssen, dann lassen Sie darin wenigstens sichtbar werden, was er ist. Machen Sie ihn gründlich mechanisch und gleichzeitig so einfach wie möglich. Versuchen Sie zum Beispiel nicht, einem bedruckten Teller den Anschein eines handbemalten zu geben. Lassen Sie ihn so aussehen, wie es niemand zu machen versuchte, wenn er ihn mit der Hand bemalen würde, falls Ihr Markt Sie zur Herstellung von bedruckten Tellern zwingt; ich selbst sehe ihren Sinn nicht. Um zusammenzufassen: Lassen Sie sich nicht zu Maschinen machen, sonst können Sie sich als Künstler abschreiben. Obwohl ich die Maschinen aus Eisen und Bronze nicht sehr liebe, erscheinen mir die aus Fleisch und Blut schrecklicher und hoffnungsloser; kein Mensch ist ein so ungeschickter oder dürftiger Arbeiter, daß er nicht zu etwas besserem als dazu taugt.
Ich sagte, daß Bildung das erste Heilmittel gegen die Barbarei ist, die von der Hektik der Zivilisation und der Konkurrenz im Handel gezüchtet worden ist. Wenn Sie wissen, daß vor Ihnen Menschen gelebt und kraftvoll gewirkt haben, dann ist das eine Ermutigung für Sie, auch heute gewissenhaft zu arbeiten, damit Sie denen etwas hinterlassen können, die nach Ihnen kommen.
An was soll nach der Bildung als nächstes gedacht werden? Ich muß jetzt zugeben: Wenn Sie sich zur Kunst bekennen und in die Reihen jener treten, die gegen die Spießer rebellieren werden, dann werden Sie eine harte Zeit erleben. »Von nichts kommt nichts, und für einen Dollar gibts nicht viel«, sagt ein Yankee irgendwo, und ich muß leider sagen, daß das auch der Grundsatz der Natur ist. Diejenigen unter uns, die Geld haben, werden etwas für die Sache hergeben müssen, und wir alle müssen ihr Zeit, Gedanken und Mühe schenken; ich muß nun eine Angelegenheit von äußerster Wichtigkeit für die Kunst und für unser aller Leben ansprechen, in der wir, wenn wir wollen, sofort handeln können, die von uns aber einen entschiedenen Einsatz von Zeit, Gedanken und Geld verlangt. Von allen Dingen, die uns wahrscheinlich eine Volkskunst in England wiederbringen würden, ist die Reinigung Englands das erste und wichtigste. Diejenigen, die schöne Dinge machen sollen, müssen in einer schönen Gegend leben. Manche Leute neigen vielleicht dazu zu sagen, und ich habe gehört, wie dies Argument vorgebracht wurde, daß gerade der Gegensatz zwischen der Ruhe und Reinheit der Kunst und dem Krach und Schmutz einer modernen Großstadt den Erfindungsgeist der Künstler belebt und eine besondere Lebendigkeit in der heutigen Kunst bewirkt.
Daran kann ich nicht glauben. Eher scheint mir, daß es bestenfalls nur die fieberhaften und verträumten Eigenschaften verstärkt, die einige Künstler um die Sympathie der Allgemeinheit bringen. Aber davon abgesehen sind es Menschen, die mit Erinnerungen an romantischere Tage und angenehmere Länder erfüllt sind und von diesen Erinnerungen leben, meiner Ansicht nach nicht immer zum Vorteil ihrer Kunst; und sehen Sie, es sind nur wenige Menschen, die selbst diese recht zweifelhaften Vorteile genießen könnten.
Ich bleibe bei meiner Behauptung, daß diejenigen, die schöne Dinge machen sollen, in einer schönen Gegend leben müssen, aber Sie müssen wissen, daß ich nicht vorhabe, für alle Handwerker einen Teil an jenen Gärten der Erde zu fordern, oder an jenen unvergleichlichen und eindrucksvollen Bergen und Wüsten, zu denen die Menschen pilgern, um sie zu sehen; das heißt keinen persönlichen Anteil. Die meisten von uns müssen sich mit den Berichten der Dichter und Maler über diese Gegenden begnügen, und sie müssen lernen, den engen Raum, der unser tägliches Leben umfängt, wegen der Schönheit und Harmonie zu lieben, die in ihm steckt.
Denn gewiß gibt es keine Quadratmeile auf der bewohnbaren Erdoberfläche, die nicht auf ihre Art schön ist, wenn wir Menschen nur darauf verzichten würden, diese Schönheit absichtlich zu zerstören; es ist dieser billige Anteil an der Schönheit der Erde, den ich als Recht jedes Menschen verlange, der ihn durch seine angemessene Arbeit verdienen wird; ein bescheidenes Haus mit bescheidenem Grundstück für jede ehrliche und fleißige Familie; das ist die Forderung, die ich im Namen der Kunst erhebe. Ist das eine so übertriebene Forderung an die Zivilisation? An eine Zivilisation, die zu begabt darin ist, sich in Tischreden zu rühmen, zu begabt, ihre Segnungen entfernten Völkern mit Kanonen zu überbringen, bevor sie die Qualität dieser Segnungen so weit verbessert hat, daß sie irgend etwas, und wenn auch nur den geringsten Preis, wert sind.
Nun, ich fürchte, diese Forderung ist übertrieben. Sowohl Sie als Repräsentanten der Industriebezirke, wie ich, als Repräsentant der Hauptstadt, scheinen das jedenfalls bisher angenommen zu haben; es gibt dort nicht eine Familie unter tausend, die ihren Anspruch auf das vorhin erwähnte Recht durchgesetzt hätte. Doch das ist ein Jammer; denn wenn die Forderung als nicht verwirklichbar anzusehen ist, dann ist es sehr sicher, daß wir schlicht Windbeutel gefüllt und Sandseile geflochten haben mit all unseren Bemühungen zur Gründung von Kunstschulen, Nationalgalerien, South Kensington Museen und all dem.
Ich sagte, daß Bildung für alle Menschen gut und notwendig ist; selbst wenn Sie wollten, könnten Sie sie nicht aufhalten; und dennoch, Menschen zu bilden, die keine Hoffnung haben, was glauben Sie, was daraus wird? Vielleicht werden Sie in Rußland sehen, was dann zu erwarten ist.
Sehen Sie, während ich zu Hause bei meiner Arbeit sitze, in Hammersmith, das nahe am Fluß liegt, dann höre ich oft durchs Fenster etwas von jener Rabauke, über die in letzter Zeit einiges in den Zeitungen geschrieben stand, und über die auch früher immer wieder gesprochen wurde. Wenn ich die Schreie und das Gekreische und all die Erniedrigung höre, mit der die großartige Sprache Shakespeares und Miltons beworfen wird, und wenn ich die brutalen, rücksichtslosen Gesichter und Figuren an mir vorüberziehen sehe, dann erwacht auch in mir die Rücksichtslosigkeit und Brutalität, und unbändige Wut befällt mich, bis ich daran denke, wie das hoffentlich meistens der Fall ist, daß es nur das Glück war, in angenehme und reiche Verhältnisse geboren zu werden, dem ich es verdanke, auf  dieser Seite des Fensters inmitten von bezaubernden Büchern und schönen Kunstwerken zu stehen und nicht auf der anderen Seite der kahlen Straße, der übelriechenden Kneipen, der schmutzigen, heruntergekommenen Behausungen. Mit welchen Worten läßt sich sagen, was all das bedeutet? Denken Sie bitte nicht, daß es nur Rhetorik ist, wenn ich sage, daß ich angesichts all dessen fühle, daß die eine große Sache, die ich ersehne, die ist, daß dieses große Land alle auswärtigen und kolonialen Verstrickungen abschütteln und die mächtige Kraft seines ansehnlichen Volkes, die größte Macht, die die Welt je gesehen hat, darauf richten sollte, den Kindern dieser armen Leute die Freuden und Hoffnungen von Menschen zu geben. Ist das wirklich unmöglich? Gibt es keine Hoffnung, daß das eintreten wird? Wenn das so ist, dann kann ich nur sagen, daß die Zivilisation eine Täuschung und Lüge ist; daß es so eine Sache nicht gibt und auch keine Hoffnung darauf.

Aber da ich leben möchte und sogar glücklich sein will, kann ich nicht glauben, daß es unmöglich ist. Meine eigenen Gefühle und Wünsche zeigen mir, was diese Menschen wollen und was sie vor jenen tiefsten Tiefen der Wildheit bewahrt haben würde: Eine Beschäftigung, die ihre Selbstachtung stärken würde und ihnen das Lob und die Sympathie ihrer Gefährten einbrächte, Wohnungen, die sie mit Freude betreten könnten, und eine Umgebung, die sie beruhigen und erheitern würde; vernünftige Arbeit und vernünftige Erholung. Es gibt nur eine Sache, die ihnen das geben kann, und das ist die Kunst.
Ohne Zweifel werden Sie diese Behauptung für eine lächerliche Übertreibung halten, aber trotzdem ist sie meine feste Überzeugung, und ich kann Sie nur bitten, daran zu denken, daß Kunst für mich die richtig organisierte Arbeit aller Menschen, die etwas herstellen, bedeutet; das muß schließlich ein mächtiges Instrument sein, um die Selbstachtung der Menschen anzuheben und ihrem Leben Würde zu geben. Noch einmal: »Von nichts kommt nichts, und für einen Dollar gibt es sehr wenig«. Man kann die Kunst genausowenig wie irgendeine andere Sache umsonst haben, und wenn Sie sich um die Kunst sorgen, was Sie müssen, wenn Sie sie kennenlernen, dann werden Sie das notwendige Opfer nicht scheuen. Schließlich sind wir Nachfahren und Landsleute jener Menschen, die gut wußten, wie man das Geringere für das Größere hingibt. Was Sie opfern müßten, ist hauptsächlich Geld, das heißt Kraft, und Schmutz; ich weiß, das ist ein schweres Opfer; aber vielleicht haben wir, wie ich sagte, früher in England größere Opfer ertragen; ich bin mir nicht einmal sicher, ob uns der Schmutz nicht auf lange Sicht sogar mehr Bares kosten würde als die Kunst.
Also was sollten wir haben, Kunst oder Schmutz?
Was wäre dann zu tun, falls wir die bessere Wahl treffen? Das Land, in dem wir leben, ist weder an reiner Fläche sehr groß noch großartig in der Art seines Zuschnitts, aber ich denke, daß es nicht nur unsere natürliche Zuneigung zu ihm ist, die uns glauben läßt, daß es wie kaum ein anderes Land für das friedliche Leben aufrichtiger Menschen geeignet ist. Falls das bezweifelt werden könnte, so haben es unsere Väter jedenfalls bewiesen. Ich behaupte, ohne Widerspruch zu erwarten, daß keine menschliche Wohnung jemals hübscher und angenehmer war als ein englisches Haus; aber unsere Väter behandelten unser liebliches Land gut, während wir es schlecht behandelt haben. Es gab eine Zeit, als es von einem Ende zum anderen schön war, aber jetzt müssen Sie Ihren Weg sorgfältig planen, um zu vermeiden, an scheußlichen Plätzen vorbeizukommen, die eine Schande, ich will nicht sagen für die Zivilisation, aber für die menschliche Natur sind. Ich habe keine Statistik über das Größenverhältnis dieser Plätze zur unverdorbenen oder teilweise verdorbenen Landschaft gesehen, aber an manchen Stellen gehen sie so ineinander über, daß sie eine ganze Grafschaft oder sogar mehrere Grafschaften bedecken, und sie nehmen mit einer entsetzlichen Rate zu, entsetzlich ganz ernst und wörtlich gemeint. Während das unbehindert und sogar ohne Bedauern so weiter geht, ist es wirklich müßig, über Kunst zu reden. Während wir das tun oder zulassen, daß es getan wird, lehnen wir in Wirklichkeit insgeheim die Kunst ab, und es wäre ehrlicher und besser, wenn wir es offen zugeben würden. Wenn wir uns zur Kunst bekennen, dann müssen wir wiedergutmachen, was wir getan haben, und die Kosten tragen. Wir müssen dieses Land aus einem finsteren Fabrikhinterhof in einen Garten verwandeln. Falls das einigen unter Ihnen schwierig oder vielmehr unmöglich vorkommt, dann kann ich es nicht ändern; ich weiß nur, dass es notwendig ist.

Was die Unmöglichkeit betrifft, so glaube ich nicht daran. Allein die Menschen dieser Generation haben Dinge geschafft, die noch vor kurzer Zeit für unmöglich gehalten worden wären. Sie haben die Schwierigkeiten überwunden, weil sie sich auf diese Richtung versteift haben; und was einmal getan werden kann, kann wieder getan werden. Schon das Geld und die Wissenschaft, die wir für Vorrichtungen ausgeben, um unsere gegenwärtigen und zukünftigen Feinde zu töten und zu verstümmeln, würden einen guten Notgroschen abgeben, um ein anständiges Leben zu fördern, wenn wir uns nur zu diesem riesigen Opfer durchringen könnten.
Trotzdem liegt es mir fern zu behaupten, daß allein Geld viel oder überhaupt etwas ausrichten kann: Es ist unser Wille, der das tun muß. Auch brauche ich nicht versuchen zu zeigen, wie sich dieser Wille in die Tat umsetzen sollte. Allerdings habe ich zusammen mit anderen meine Ansichten darüber, welche Schritte uns am besten weiterbringen würden, aber diese Ansichten würden von Ihnen nicht akzeptiert werden, und ich bin sicher, daß Sie, wenn Sie das Ziel fest im Auge haben, die Mittel finden werden, es zu erreichen, und es ist von ziemlich geringer Bedeutung, wie diese Mittel aussehen mögen. Wenn Sie die Maxime akzeptiert haben, daß das äußere Erscheinungsbild des Landes der Allgemeinheit gehört und daß jeder, der dieses Eigentum bewußt verletzt, ein Feind der Allgemeinheit ist, dann wird unsere Sache eines Tages siegen.
Unterdessen ermutigt es mich, daran zu denken, daß es etwas gibt, das es mir möglich macht, hier in einem Bezirk, der soviel Qualm wie Töpferwaren produziert, zu stehen und das zu sagen, was ich über das Thema des Schmutzes gesagt habe, und das ist der Umstand, daß gerade kürzlich dem Gefühl in dieser Angelegenheit sichtbarer Ausdruck verliehen wurde, einem Gefühl, das sicher schon lange angewachsen ist. Wenn ich ein verrückter Träumer bin, was ja sein kann, so gibt es doch viele Mitglieder und Unterstützer solcher Gesellschaften wie der Kyrle oder der Commons Preservation Society, die keine Zeit zum Träumen haben und deren Verrücktheit, wenn sie sie überkommen sollte, schnell überall im Land gespürt würde.

Ich bitte Sie um Verzeihung, daß ich Ihre Geduld so lange beansprucht habe. Nur noch ein paar Worte, und dann bin ich fertig. Diese Worte sind Worte der Hoffnung. Falls ich etwas gesagt habe, das Ihnen hoffnungslos vorgekommen ist, so ist, glaube ich, jene Verbitterung schuld daran gewesen, die manchmal einen ungeduldigen Menschen überkommt, der merkt, wie wenig er aus eigener Kraft tun kann, um die Sache voranzubringen, die ihm am Herzen liegt. Ich weiß, daß diese Sache schließlich siegen wird, denn es ist einer meiner Glaubensartikel, daß die Welt nicht in die Wildheit zurückfallen kann und daß die Kunst ihre Gefährtin auf dem Vormarsch sein muß. Ich weiß sehr gut, daß nicht ich den Weg vorzuschreiben habe, den der Fortschritt nehmen muß. Ich weiß, daß viele Dinge, die mir heute zähe Hindernisse oder sogar Gift für diesen Fortschritt zu sein scheinen, vielleicht förderlich oder heilsam sind, obwohl ihnen das Schicksal vielleicht bestimmt hat, Schreckliches auszurichten, ehe das Gute an ihnen sichtbar wird. Aber dieser selbe Glaube zwingt mich, meinem Wissen gemäß zu sprechen, wie gering es auch sein mag und wie flüchtig die Worte auch klingen mögen; denn jeder Mensch, der ein Anliegen hat, muß so handeln, als ob es von ihm allein abhinge, wie gut er auch um seine eigene Unvollkommenheit wissen mag; und so entsteht die Handlung aus der bloßen Ansicht. Bei allem, was ich sagte, habe ich immer daran gedacht, daß Sie mich baten, zu Ihnen als Freund zu sprechen, und daß ich es nicht versäumen durfte, ganz offen und unbesorgt gegenüber meinen Freunden und Mithandwerkern zu sein.

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