Franklin Rosemont: „Die Arbeiter und die nichtdomestizierte Natur“

wEs gibt kein anderes führendes Licht, als das in der Natur zu findende.
(Lautréamont)

Die bürgerliche Ideologie erbte von ihren jüdisch-christlichen Vorläufern einen tiefen Hass auf die Wildnis und demzufolge Hass und Furcht gegenüber allen wilden Lebewesen und Dingen. Jeder weiss, dass der Kapitalismus bluttriefend in die Welt kam und dass seine wenigen Jahrhunderte der Herrschaft die blutigsten der gesamten Menschheitsgeschichte waren. Seine Vertreter haben es aber immer gerne so gehalten, sich als eminente zivilisierende Kraft zu präsentieren. Sie würden Gesetz und Ordnung und Industrie nicht nur zu den Gesellschaften bringen, die vielfach als wild, primitiv, rückständig und unterentwickelt beschrieben werden, sondern auch in die abgelegenen Regionen, die zuvor noch als von Menschen unbesiedelbar galten.

Jene, die ihr verfallen sind, betrachten die Zivilisation als eine universell gute Sache, eine gesegnete Voraussetzung von Frieden, Wohlstand und sozialer Harmonie (es wird jedoch allgemein zugegeben, dass die Wirklichkeit um einiges hinter diesem Ideal zurückbleibt). Vor allem hat sich die kapitalistische Zivilisation selbst als Todfeind der Wildnis gesehen, die als essentiell böser Zustand von absoluter Gewalt portraitiert wird: der totale Krieg aller gegen jeden und von jedem gegen alle. Es kommt vor, dass das genaue Gegenteil näher an der Wahrheit ist, aber die Zivilisation ist auf Lügen und noch mehr Lügen aufgebaut und besonders auf den ganz großen Lügen.

Das Drama blutiger Repression, verkleidet als Fortschritt, ist die Geschichte der Neuen Welt. Die Puritaner, deren Verehrung des Kapitals ihrer Verehrung für Christus gleichkam, wenn nicht sogar diese übertraf (für die meisten von ihnen war wahrscheinlich zwischen beidem kein großer Unterschied) sahen ihren „Gang in die Wildnis“ als Mandat, einen Kontinent zu zivilisieren, der in ihren Augen unbewohnt war – oder bestenfalls bewohnt von unwichtigen, vernachlässigbaren Heiden, wenn nicht gar von ausgesprochenen Kreaturen Satans. Massaker und Genozide waren die Methoden, mit denen diese typischen christlichen Kapitalisten die Annehmlichkeiten des zivilisierten Lebens bei den ursprünglichen menschlichen Bewohnern von Nord- und Südamerika einführten.

Den nicht-menschlichen Einwohnern ging es über die Jahre nicht besser. Die letzte Wandertaube, deren riesige Schwärme in Millionenanzahl den Himmel tagelang verdunkelten, starb 1914 in einem Zoo. Die Bisonherden waren schon lange davor dezimiert worden. Nicht länger durchdringt der Ruf des Elfenbeinspechts endlose Wälder, denn die Wälder wurden so in Stücke geschnitten, dass die Elfenbeinspechte in ihnen nicht mehr leben können. Vor hundertfünfzig Jahren waren die großen Prärien des Mittleren Westens majestätische Ozeane von wildem Gras und Blumen, so weit ausgedehnt, wie das Auge blicken konnte. Wo sind sie jetzt? Verschwunden, samt und sonders: vernichtet von den Götzen Fortschritt und Profit.

Es war ein höllischer Preis, der bezahlt wurde für Innenklos, Plastik-Schonbezüge und Medizinschränke voller Valium.

Blocks und Scissorbills

Als letzte Form der steinalten Krankheit des Patriarchats verschlimmern und synthetisieren die autoritären Strukturen der kapitalistischen Zivilisation alle früheren Formen der sozialen Herrschaft, während die unkontrollierte und scheinbare unkontrollierbare Entwicklung der Technik fortlaufend neue erschafft, von denen man in den relativ ruhigen Zeiten von Dschingis Khan oder Attila dem Hunnen nicht einmal träumte.

Unterhalb der täglichen Kämpfe der Arbeiter gegen das Kapital in unserer Zeit liegt ein Komplex von sozialer, sexueller und psychologischer Repression, der sich in vielen tausend Jahren der Beherrschung und Domestizierung herausgebildet hat. Der Arbeiter, der keiner Gewerkschaft beitreten will; der Arbeiter, der sich als Streikbrecher hergibt; der Mr. Block, der den Boss liebt und Radikale hasst; der Scissorbill, der die Flagge liebt und Fremde hasst; der Lohnsklave, der seine Unzufriedenheit gegen seine Mit-Sklaven lenkt, anstatt gegen das System, das ihn unzufrieden macht: das ist ein Arbeiter, der mehr als irgend etwas anderes unterdrückt ist. Er verhält sich so unterordnend, dass er selbst kein Bewusstsein davon hat. Er ist genau der Arbeiter, den der Boss haben will: vergesslich gegenüber seinen eigenen, wirklichen Interessen; in Opposition zu seinem eigenen Glück; feindlich gegen die, mit denen er befreundet sein sollte und vor allem voller Angst vor Freiheit und wirklichem Leben. Solche Arbeiter, und sie sind nicht gerade ein zu vernachlässigender Teil der Arbeiterklasse, erscheinen als gründlich domestiziert – menschliche Schafe, die um ihren Gang zum Schlachter kämpfen. Die Frage ist: Was tun wir dagegen?

Um die Antwort besser finden zu können, sollten wir zuerst uns selbst fragen: Wie kam es zu dieser Domestizierung, historisch? In welchem Maße ist sie umkehrbar? Und schliesslich, gibt es irgendwelche neuen Entwicklungen, die die vorhandene Kräftebalance in Richtung der Freiheit verändern könnten?

Blicken wir zurück

Die Ursprünge der menschlichen Domestizierung sind tief in den Sümpfen der Vorgeschichte vergraben, können aber bis zum Beginn des Ackerbaus zurückverfolgt werden; mit Stufen der Konsolidierung, die durch die Entwicklung der Familie, des Privateigentums, der Religion, des Staates und anderer Institutionen der sozialen Kontrolle markiert sind. Jedoch so alt er auch ist, der Prozess der Domestizierung ist niemals abgeschlossen, er muss mit jeder Generation neu angefangen werden und tatsächlich mit jedem Individuum. Kinder werden „Wilde“, „wilde Indianer“ und „Tiere“ genannt, weil sie noch nicht auf das auf das Niveau der Domestizierung der Erwachsenen gesunken sind. Frauen, rassische und ethnische Minderheiten und vor allem arbeitende Menschen werden mit ebenso offenbarenden Wörtern bedacht von den selbsternannten Wachhunden, die der Wobbly-Philosoph T-Bone Slim als „Civilinsanity“ bezeichnete.

Kirche, Schule, Gesetz, Polizei und Militär: Alle diese Fesseln existieren nur, um die existierende Ungleichheit aufrecht zu erhalten – die Privilegien einer ausbeutenden Minderheit zu beschützen, indem sie darauf schauen, dass die versklavte Mehrheit sich in ihre Sklaverei fügt. Natürlich, implizit oder explizit, findet das „Einfügen“ mit gezogener Pistole statt: jede Sklaverei wird mit Gewalt durchgesetzt.

Ideologische Anpassung ist allerdings immer unsicher, bestenfalls. Die produzierende Klasse – und besonders die am meisten ausgebeuteten, niedrigst bezahltesten Arbeiter – sind niemals durch die Agenturen der Einordnung so kontaminiert, wie sie die Bosse und Bürokraten gerne hätten. Von allen Sektoren der Gesellschaft ist die Arbeiterklasse notorisch diejenige, die von der behördlichen schlechten Erziehung oder religiösen und politischen Illusionen am wenigsten befallen ist. Arbeiter mögen viel zu lernen haben, aber sie haben weniger zu verlernen als die meisten und in der Sache von radikalen gesellschaftlichen Veränderungen ist das ein wirklicher Vorteil.

Weiter, die offensichtliche Ausbeutung der Arbeiter durch die Kapitalisten, die ihnen in Löhnen nur einen kleinen Teil des Reichtums zurückgeben, den sie produzieren, bringt sie verständlicherweise in Opposition zu der dominierenden parasitären Klasse, die nichts produziert als Verschwendung und Verwüstung.

Historisch gesehen wurde die Arbeiterklasse wild geboren und alles, was sie zu ihrem eigenen Vorteil und zum Vorteil der Erde erreicht hat, verdankt sich der Tatsache, dass sie, zu verschiedener Zeit ihre Wildheit erneuert hat. Die Geschichte der Arbeiterklasse ist die Geschichte von Unruhen, Tumulten, Streiks, Straßenkämpfen, Aufständen und Revolutionen, die bewusst oder unbewusst eine umwälzende soziale Transformation vorhersagen, die die Ausbeutung abschaffen und eine neue soziale Ordnung errichten wird, die auf gegenseitiger Hilfe und nützlicher Produktion statt Produktion für Profit beruhen und damit für alle das Leben lebenswert machen wird.

Alle großen Momente in der sich weiter entfaltenden Geschichte des Kampfes für die Emanzipation der Arbeiterklasse – von den glorreichen maschinen-zerstörenden Ludditen in den frühen Tagen der „industriellen Revolution“, über die Pariser Kommune von 1871, das Aufstehen der Haymarket Anarchisten in den 1880ern in Chicago, den zahllosen Kämpfen der IWW, der mexikanischen Revolution von 1910, der russischen Revolution von 1917, der Sit-down-Streikwelle durch die ganze USA in den Dreissigern, der Spanischen Revolution von 1936, der Ungarischen Revolution von 1956 gegen die staatskapitalistische Bürokratie, der Aufstand von Detroit 1967 und der Generalstreik in Frankreich im Mai 68, bis zu den riesigen Klassenkämpfen unserer Zeit, von Gdansk nach Johannesburg, von West Virginia nach Grenada, von Lordstown nach Managua – widerspiegeln diese fundamentale globale Erwartung einer kooperativen freien Gesellschaft ohne Konkurrenz, Krieg, Diskriminierung, Bürokratie, Verschmutzung und all der anderen widerlichen Nebenprodukte der Verworfenheit der Industrie im zu Ende gehenden Kapitalismus.

Diese Ausbrüche der Revolte sind kein Werk von Zaghaftigkeit und Frömmigkeit. Und es ist nicht ohne Bedeutung, dass die charakteristischsten Äußerungen der Revolte an der Arbeiterbasis in den USA in den vergangenen Jahren die inoffiziellen und illegalen Streiks waren, bekannt als wildcats.

Was wird aus den Blocks und Scissorbills in diesen rebellischen Erscheinungsformen? Anzeichen zeigen, dass nur eine unbedeutende Minderheit von ihnen wirklich auf die Seite der Konterrevolution übergehen wird. Einige werden mehr oder weniger passiv bleiben während des ganzen Durcheinanders, aber viele werden eine wirkliche Veränderung in sich selbst erfahren und einen aktiven Part in der Revolte einnehmen – und damit beweisen, dass ihre Domestizierung vor allem aus ideologischer Fassade besteht; dass diese keineswegs „instinktiv“ ist und die revolutionäre Aktivität dafür eine exzellente Kur ist. Es ist wahr, wenn gesagt wird, dass die Arbeiter in einer Woche der Revolution mehr lernen als in zehn Jahren normalen Lebens.
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Sind die Arbeiter revolutionär?

Nachrufe auf das revolutionäre Potential der amerikanischen Arbeiterklasse gibt es in diesen Tagen reichlich, da die Versprechungen der Politiker und deren Substanz dieselbe alte heiße Luft sind. Die meisten Gesetze sind dafür da, das Privateigentum zu schützen – nicht die Handvoll persönlicher Besitztümer von Dir oder mir, auch nicht einmal das Eigentum des Krämers an der Ecke, sondern vielmehr das große, profitproduzierende Eigentum blutdürstiger, landverschlingender Konzerne. Und vor wem, möchte man fragen, wird all dieses Eigentum verteidigt?

Wenn die Arbeiterklasse keine revolutionäre Klasse mehr ist, die nicht nur ihr materielles Interesse am Umwerfen des bestehenden Stands der Dinge behalten hat, sondern auch die Fähigkeit, das zu tun – was könnte dann die Absicht des Arbeitsministeriums der USA sein, all der Multimillionendollar-Gewerkschafts-Bekämpfungsagenturen, der „Red-squads“, und der „Right-to-work“-Staffage? Warum sollten all die Senatoren und Kongressleute so geschäftig immer neue Gesetze erfinden, um es arbeitenden Menschen noch schwieriger zu machen, ihre demokratischen Rechte im Betrieb und die Picket-Lines anzuwenden? Und warum sollten Strolche wie der Ku-Klux-Klan und Neonazis soviel von ihrer Zeit und Energie mit Terror gegen die Arbeiterbewegung verbringen?

Die wirklichen Zwecke dieser Repressionsorgane sind so offensichtlich wie die Lügen des Präsidenten: sie sind dazu da, die arbeitenden Menschen getäuscht, auseinanderdividiert und domestiziert zu halten.

Seit dem Erlass des Taft-Hartly-„Sklavenarbeitsgesetzes“ von 1947 hatten die Konzerne und ihre dienstbaren Regierungsbehörden die Oberhand im amerikanischen Klassenkampf. Natürlich gab es die ganze Zeit mächtige Erhebungen, aber mit einigen bemerkenswerten Ausnahmen – einige große Kohlestreiks, 1970 der Postarbeiterstreik und PATCO z.B. – blieben die meisten lokal oder regional und außerstande, das Blatt zu wenden.

Der Höhepunkt des Wiederauflebens der radikalen Arbeiterbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg war zwischen 1968 und 1970, als eine zunehmende Zahl von Arbeitern an der Basis, inspiriert von der Civil-Rights-, Antikriegs-, Studenten- und Umweltschutz-Agitation begann, nicht nur diese und andere Kämpfe zu unterstützen, sondern ihren Forderungen nach Veränderungen am Arbeitsplatz auch Forderungen der Neuen Linken hinzuzufügen.

Der Geist einer ausgedehnten Arbeiterrevolte, verknüpft mit anderen Protestbewegungen der Besitzlosen, erschreckte die bestehende Macht und unglücklicherweise waren weder die Basis der Arbeiterbewegung noch die Neue Linke genügend vorbereitet, organisatorisch und anderweitig, der folgenden Repression entgegenzuhalten. Das massivste Durchgreifen der Regierung gegen Dissidenten seit den berüchtigten Palmer Raids von 1919 hinterliess dieser vielversprechenden neuen Bewegung einen Scherbenhaufen.

Der Ruf der Wildnis

Viele neue Zeichen am Horizont weisen heute auf die Möglichkeit einer wesentlich größeren und anhaltenderen Erhebung der radikalen Arbeiterbewegung, die die Perspektiven für revolutionäre soziale Änderungen in der nahen Zukunft dramatisch verwandeln könnte.

Zum einen ist die „offizielle“ Arbeiterbewegung – der korrupte, bürokratische Schwindel, den jemand mal die AFL-CIA (statt AFL-CIO) nannte – in einer Phase der niedrigsten Ebbe in ihrer Geschichte von 102 Jahren. Nie war sie so schwach, moralisch und intellektuell so bankrott, und so verachtet von ihren eigenen Mitgliedern. Zukünftige Abspaltungen von der Art P-9* sind unvermeidlich, und früher oder später werden sich einige der Abspaltungen zusammenschliessen und über den Aufbau einer neuen Gewerkschaftsbewegung nachdenken, die diesen Namen verdient.

Zudem, die radikalen Bewegungen der 60er Jahre mögen vom Staat unterdrückt worden sein, aber ihre Ideen – die meisten von ihnen als erneuerter Ausdruck der alten Ideen von Freiheit, Gleichheit und Solidarität – sind weitergegangen, um ihren Weg zu finden zu den Herzen und Köpfen von Millionen, eingeschlossen Millionen junger Arbeiter und Arbeiterinnen.

Der langandauerndste Wahlboykott der amerikanischen Arbeiter (die Prozentzahl der arbeitenden Menschen, die wählen, hat seit vierzig Jahren mit jeder Wahl abgenommen) legt nahe, dass wenn der neue Radikalismus Boden gewinnt, der bevorzugte Weg des Vorgehens die direkte Aktion sein wird. Vergesst nicht, dass die effektivsten Taktiken der direkten Aktion – Sit-downs, Slow-downs, Blockaden, Besetzungen von Gebäuden etc. – von Arbeitern auf den Fabrikgeländen, Gruben und Hütten entwickelt wurden.

Aber der wirklich neue und entscheidende Faktor der kommenden Arbeiterrevolten bringt uns wieder auf den Ausgangspunkt zurück und der ist in der Tat die älteste Sache der Welt: die Wildnis. Zunehmend hat in den vergangenen Dekaden ein neues Bewusstsein der Wildnis, der Vorrangigkeit der Wildnis, Millionen inspiriert und ist eine wirkliche Kraft für die soziale Veränderung geworden. Die Fusion dieses neuen, radikalen Bewusstseins mit der wachsenden Rebellion der Arbeiter am Ort der Produktion sollte die großartigste Epoche in der Geschichte der Arbeiterbewegung kennzeichnen und den wirklichen Beginn des kommenden kooperativen Gemeinwesens.

Dieser Prozess wird viele der existierenden Verhaltensweisen und Vorurteile durcheinander wirbeln und Änderungen fördern, die unendlich weitreichender sein werden als bspw. der Wechsel von den Berufsgewerkschaften zu den Industriegewerkschaften. Aber es würde auch die endgültige Auflösung von alten, paralysierenden Widersprüchen begünstigen – z.B. die zwischen „Endzielen“ und „sofortigen Forderungen“.

Solange die arbeitende Klasse an der Ausbeutung der natürlichen Welt durch die Bourgeoisie teilnimmt, muss ihr eigenes Bewusstsein fragmentiert bleiben und im Krieg mit sich selbst sein. Wenn arbeitende Männer und Frauen zunehmend Erfahrungen mit der Wildnis machen und sich mit ihr identifizieren, werden sie viel besser in der Lage sein, nicht nur sich selbst zu verteidigen, sondern auch ihre tiefste Erwartung zum Vorschein bringen, dass ihre Tätigkeiten in Harmonie mit ihren wirklichen Interessen und den Interessen der Erde sein sollen. In diesem Sinn gehen revolutionäre Aktivität und direkte Erfahrung der Wildnis Hand in Hand und sind zusammen das perfekte Serum gegen alle Gifte der Domestizierung.

Das ist gewiss: die Emanzipation der Arbeiterklasse – Hebel aller menschlichen Emanzipation – ist nicht länger denkbar ohne die Emanzipation der Natur. Umweltschützende und ökologische Forderungen sind nicht länger nebensächlich, sondern zentral für den Kampf der Arbeiter in unserer Zeit.

Da die Wildnis der unverzichtbare Schlüssel für einen ökologisch ausbalancierten Planeten ist, muss die Erhaltung der Wildnis zu einer Hauptforderung der Arbeiterbewegung werden.

Der Kampf um die Wildnis ist auch ein Kampf gegen das Kapital und die Neubewertung der Wildnis trägt bei zum Kampf für die Abschaffung der Lohnsklaverei.

Die Arbeiter haben noch immer nichts zu verlieren als ihre Ketten. Ohne Wildnis hätten wir keine Welt zu gewinnen.

Arbeiter und Arbeiterinnen der Welt – werdet wild!

* Gemeint ist der lokale Zweig der United Food and Commercial Workers bei Hormel Foods Corporation, Austin, Minnesota

„Workers and Wilderness“, aus dem Industrial Worker (Zeitung der Industrial Workers of the World), Mai 1988

Eigene Übersetzung, 2013. (Rosemont verwendet durchgängig das Wort wilderness, das hier ebenfalls durchgängig, außer im Titel, mit Wildnis wiedergegeben ist.)

Der Artikel ist zu finden auf der Seite des neugegründeten Environmental Unionism Caucus der amerikanischen IWW:

http://ecology.iww.org/texts/FranklinRosemont/Workers%20and%20Wilderness

Der Artikel hat keinen direkten Bezug zu William Morris (dessen Reisen in die Wildnis Islands z.B. ein starkes Motiv für seine Gegnerschaft zum Kapitalismus waren). Franklin Rosemont (1943 bis 2009) war ein ebenso kraftvoller Dichter und Autor. Er war Künstler, Schriftsteller und Verleger, gehörte zu den Begründern des amerikanischen Surrealismus und war langjähriges Mitglied der IWW.

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