Kunde von Nirgendwo

Der Text dieses Romans ist hier nicht zu finden, denn es gibt eine ganze Reihe von Buchausgaben des bekanntesten Werkes von William Morris in deutscher Sprache. (Allerdings würden wir uns mal wieder eine Neuübersetzung wünschen, denn auch die Liebknecht-Übersetzung hat ihre Mängel und kleine absichtliche Veränderungen.)

Neuausgabe im August 2016:nautilus kunde von nirgendwo

bei Edition Nautilus
Aus dem Englischen von Natalie Liebknecht und Clara Steinitz, durchgesehen von Wilhelm Liebknecht;
durchgesehen und vervollständigt von Sarah Janke
Vorwort von Marcel Seehuber

Großformat, 288 Seiten,
Broschur mit Schutzumschlag, durchgehend illustriert
€ (D) 28,–

ISBN 978-3-96054-020-5

Zum Ende des Jahres 2013 sind zwei neue Ausgaben erschienen:

gol-kunde

Golkonda Verlag, Berlin

Herausgegeben von Andreas Fliedner
Mit einer ausführlichen Einleitung von Clive Wilmer

265 Seiten | € 16,90
E-Book | 265 Seiten | € 4,99
ISBN 978-3-944720-12-8

Diese Ausgabe enthält auch zwei neu übersetzte (weil von den Liebknechts weggelassene) Kapitel und die Rezension von Edward Bellamy

***

edav-kunde

Verlag Edition AV
Band 6 der Reihe Libertäre Bibliothek

Herausgegeben von Jürgen Mümken
Mit einem Nachwort von Wolfgang Haug

192 Seiten | € 16
ISBN 978-3-86841-089-1

Beide Bücher verwenden die Erst-Übersetzung von Natalie Liebknecht und Clara Steinitz.

Einige Stimmen zu diesem Buch, das in vielen Sprachen und Ausgaben erschienen ist:

„Es ist eine Erzählung über die siegreiche Arbeiterklasse im Jahr 2000. Ein wundervolles Bild der Verwirklichung revolutionärer Träume, wenn alle die Aufgaben übernehmen, die sie am besten machen können und wo jede Frau und jeder Mann genügend Freizeit für Lernen und Vergnügen hat.
Was wird aus den Gefängnissen, Politikern und Millionären, aus der Armut, der Justiz und den Gesetzen, wenn die Arbeiter die Fesseln der Lohnsklaverei abwerfen und die kapitalistische Klasse besiegen? William Morris sagt es euch in News from Nowhere.
In diesem Buch haben die Arbeiter die Arbeit zu einer Sache von Vergnügen und Schönheit gemacht, wie zu einer von Annehmlichkeit und Befriedigung. Wie wird die zukünftige Gesellschaft aussehen? William Morris gibt uns Auskunft, nicht als Prophet sondern durch den Traum eines revolutionären Künstlers.“

Werbetext des amerikanischen Verlags Charles Kerr vor 100 Jahren.

„Dass Morris ein ‚utopischer Sozialist‘ gewesen sei, ist eine nicht selten anzutreffende Meinung. Oftmals rührt sie nur daher, dass man von ihm weiß oder gehört hat, er habe eine ‚utopische Schrift‘ verfasst. Es handelt sich dabei um jene während des Jahres 1890 entstandene Erzählung Kunde von Nirgendwo (News from Nowhere), geschrieben für eine sozialistische Zeitschrift und gedacht als Waffe für den täglichen Kampf. Sie wurde in mehrere Sprachen übersetzt und fand seinerzeit unter den Arbeitern vieler Länder weite Verbreitung. Die Erzählung erinnert jedoch nur in ihrem Titel und der dichterischen Form an das, was man gemeinhin unter einer Utopie versteht. Liest man sie, so wird man tief beeindruckt von der Wissenschaftlichkeit seiner Phantasie, die nicht wie bei den ‚echten‘ Utopien in einer Unmenge oberflächlicher Einzelheiten besteht, sondern in der Beherrschung der Entwicklungsgesetze der menschlichen Gesellschaft. Es ging Morris darum zu zeigen, wie das Leben sein kann und sein wird, wenn die menschlichen Beziehungen wieder klar und durchsichtig werden. 
Ebenso klar ist auch seine Erzählung, die nichts Mysthisches oder Idealistisches an sich hat und einfache, materialistische Antworten gibt auf die Frage, wie die Gesellschaft in der Zukunft aussehen kann. Das Kapitel, in dem er beschrieb ‚Wie der Umschwung kam‘, ist eine lebendige Schilderung der Revolution, durch die der Kapitalismus gestürzt wurde; es erlangte damals unter den Lesern aus der Arbeiterklasse geradezu Berühmtheit. Morris‘ Utopia wurde so in der langen traditionsreichen Geschichte dieser Art Literatur zur ersten, die nicht utopisch ist.“
Egon Stein, Von William Morris zur sozialistischen Kulturrevolution, Berlin, 1966

„Für Morris ist also die Vision keine bloße imaginäre Nebenvorstellung mit der Absicht, den Träumenden zu amüsieren, während die praktischen Revolutionäre sich um die anliegenden Dinge kümmern. Ohne eine Vision ginge zu leicht die Sicht auf das verloren, worum es wirklich geht. Visionen sind ein Mittel, seine eigenen Ziele zu identifizieren – durch das Kleiden der Ziele in das Kostüm des Verlangens; Vision ist ein Antrieb zur Aktion und ein Schutzschild gegen die Gefahren, gerade in der Politik, mit dem Weg so beschäftigt zu werden, dass das Ziel darüber irrelevant wird. In diesem Sinne sollten utopische Visionen nicht als eine Flucht aus der Geschichte in fernes, futuristisches Wunschdenken angesehen werden. So wie Morris sie benützte, diente die utopische Vorstellungskraft dazu, Wünsche, Träume und die gemeinsamen Erwartungen im Rahmen des Machens der realen Geschichte zu verwurzeln.“
Stephen Coleman in News from Nowhere – A Vision for our Time

„Die Kunde von Nirgendwo ist vielleicht die schönste moderne Darstellung des freiheitlichen Sozialismus: das reife Werk eines kultivierten und gelehrten Menschen, eines Dichters, Künstlers und Meisters der angewandten Künste, von natürlicher Kraft und Gesundheit, durchdrungen von einem Sozialismus, der auf menschlichen Bedürfnissen und sozialem wie revolutionärem Wollen gegründet ist wie auf dem Verlangen nach Schönheit und Harmonie. Und dieser Mann war etwa ein Jahrzehnt lang ein Kämpfender, er engagierte sich in allen Notwendigkeiten einer jungen Propaganda, aufopfernd, ohne persönliche Ambitionen. Für einen vollständigen Sozialismus, der den ganzen Menschen umwandelt und nicht nur bei einigen Fragen der Ökonomie und Verwaltung stehen bleibt, im Vertrauen auf neue Chefs, die eine Wählerschaft anziehen und auf Organisationen mit meist nominellen Mitgliedern, womit nie ein wahrer Sozialismus erreicht werden wird. Das geschah in England in den Jahren von 1880 bis 1890, in ganz London und seinen Vororten – denn Morris verlor nie den Kontakt mit dem Land, wie auch sein Geschmack und seine Werkstätten ihn immer wieder in die Blütezeit des Mittelalters führten, in die Zeit der freien Städte; der Künstler, die zugleich Handwerker waren. Sein Bewusstsein von den Übeln der Gegenwart, von der uniformen Hässlichkeit des triumphierenden Kapitalismus, sein Wille, dem ein Ende zu setzen, führte ihn in die Zukunft; zu Visionen, deren schönstes Produkt die Kunde von Nirgendwo ist.“
Max Nettlau im Vorwort der argentinischen Ausgabe von 1928

„Es ist zutreffend, dass im Maßstab der ganzen Welt die menschlichen Bedürfnisse von ihrer Erfüllung weit entfernt sind und dass ein Wachstum in der Produktion von Nahrungsmitteln, Wohnungen und anderen Grunderfordernissen selbst dann noch notwendig ist, wenn die Produktion nicht mehr von den ökonomischen Gesetzen des kapitalistischen Weltmarkts regiert wird. Aber da Morris über eine kommunistische Gesellschaft schreibt, die sich über mehrere Generationen etabliert hat, ist es sehr wohl begründet, wenn er unterstellt, dass in jener Zeit die Produktion ein Level erreicht hat, in der weitere Akkumulation durch eine steady-state Ökonomie abgelöst wird.
Auf jeden Fall ist die Erringung einer solchen Ökonomie ein ökologischer Imperativ. Die Menschen sind Teil der Natur, aber ein Teil, der noch keine stabile Nische in der Ökologie der Biospäre gefunden hat. Eine solche Nische muss gefunden werden, was immer konventionelle Ökonomen über die Notwendigkeit von Wirtschaftswachstum lehren; dieses ist schlicht unmöglich. Früher oder später muss die Menschheit eine stabile, erhaltungsfähige Beziehung zum Rest der Natur einnehmen, in der das, was der Biospäre genommen wird in Balance steht mit ihrer Kapazität, das Entnommene zu erneuern. Weil in der Tat eine solche Balance nur im Rahmen einer kommunistischen Gesellschaft möglich ist, bleibt der Kommunismus von Morris nicht nur eine praktische Lösung des Problems, wie die menschlichen Bedürfnisse rational befriedigt werden können, sondern auch eine dringende Notwendigkeit, wenn die menschliche Gattung in Harmonie mit der übrigen Natur überleben soll.“
Adam Buick in News from Nowhere – A Vision for our Time

„Leider kennen die meisten Leute, besonders in der Arbeiterbewegung, Morris nur oder fast nur als Verfasser der News from Nowhere (Kunde von Nirgendwo). Sie würden ein viel besseres Bild von ihm aus anderen Büchern bekommen, z.B. aus Hopes and Fears for Art, in denen er seine Ansichten über die Beziehungen der Kunst zum Sozialismus auseinandersetzt. Sie würden in ihm einen Patrioten finden, der sein Land liebt, ohne die anderen Länder zu hassen oder zu verachten, und zwar um deswegen liebt, was es ist, nicht wegen seines Platzes im Wettlauf der Nationen, – einen Menschen, der nicht nur an eine Volkskunst glaubt, sondern an eine Kunst die aus dem freien Leben einer freien Nation entspringt. In Dream of John Ball findet man die Verheißung eines freien England, in dem die Menschen glücklich sind, weil sie ein würdiges Leben als „Kameraden“ führen und nicht bloß „Hände“ in einem profitgierigen System sind. Oder man nehme die Verse von Morris, beispielsweise The Pilgrim of Hope, eines der gewaltigsten Epen der Neuzeit, trotzdem es unvollendet ist. Auch in diesem Gedicht findet man die Hoffnung auf eine bessere Welt ausgesprochen, die das Streben und der Wille des unteren Volkes einst auf den Trümmern der alten Welt errichten wird. Erst wer alle diese Werke kennt, wird die News from Nowhere verstehen und sie nicht mehr rein als Vision eines in weiter Feme liegenden, vielleicht sogar unmöglichen Utopien ansehen, sondern als Ausdruck von Morris festem Glauben an den höchsten Wert menschlichen Glücks.“
G.D.H. Cole in „Selfgovernment in Industry“

im Jahr 1900 erschien Kunde von Nirgendwo als Beilage des Wahren Jakob. (Der einführende Aufsatz „William Morris“ ist wegen seiner sachlich verfälschenden sozialdemokratischen Tendenz allerdings mit Vorsicht zu genießen.)

Dieser Beitrag wurde unter Texte von William Morris veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.